Wenn WhatsApp zur HassApp wird

How young people use WhatsApp groups for right-wing propaganda, Jewish jokes and hatred of minorities, and why WhatsApp does not do anything about it

Karsten Schmehl

„You were hounded. Hitlere at least 5 more people or in 88 days a money-hungry Jew will steal all your money and rape you. „

These are the first words of a chain letter shared in several WhatsApp groups a few months ago. „Send this message to everyone you know and contribute to Operation White Christmas,“ it continues.

In the message follows a huge swastika, which occupies the entire screen width, a representation of Adolf Hitler and below the sentence „Run Ali run“. The end of the chain letter reads: „For every person who forwards this message, an immigrant is sent to his home country.“

In one of the WhatsApp groups, many of the then over 200 members immediately responded with dozens of messages. Especially with: laughter. It hails laughter emojis and emojis with heart eyes. And many emojis with outstretched right arm 🙋♂️🙋♀. Within the group, this emoji is considered a Hitler salute.

Some answer in more detail and write „Germany Germany over everything in the world“ or „Heil Hitler comrades“. Somewhat later, a man sends a WhatsApp sticker showing Adolf Hitler. The text on the picture: „You’re funny, I’m gonna forget you.“

In November 2018, the Jewish Forum  in a tweet  drew attention to right-wing WhatsApp groups and showed screenshots in a picture, the stickers and pictures shared there. According to research by BuzzFeed News Germany, hundreds of people have since gathered in a network of right-wing WhatsApp groups.

These people spread anti-constitutional symbols there, glorifying the Third Reich and Adolf Hitler, sharing anti-Semitic and violence-glorifying WhatsApp stickers and calling for joint communists to threaten leftists or refugees. BuzzFeed News has been a member of nine far-right WhatsApp groups since October. There tens of thousands of messages have been sent during this time.

At the request of BuzzFeed News, WhatsApp condemns the hatred on its platform, but claims to have no access to their users‘ messages.

The WhatsApp groups have names like „The German Storm“, „Ku Klux Klan International“ or „Nationalisten_Radikale etc.“. At times, between 90 and 250 people were in the groups. WhatsApp limits the maximum group size to 256 members.

Hundreds of WhatsApp stickers make hate divisible

Especially WhatsApp stickers with Nazi symbols or violent content are popular in the groups. BuzzFeed News has found in some groups more than 200 different WhatsApp stickers that show inciting, violent or anti-Semitic content. Some stickers show symbols prohibited by law   : including SS runes, SS insignia, certain flags and swastikas.

Other news includes photo montages by Anne Frank as a Pizza Stove „The Oven Freshness“ or the severed and plastic-wrapped head of a black-haired man with the headline „AchMett 500gr, € 1.99.“

Apparently at least some group members are underage. Several write in the groups that they are only 14 or 16 years old. BuzzFeed News could not verify this information.

There is a flood of news in the WhatsApp groups. Some of the groups shared up to 1500 messages in one day. There is almost no opposition to right-wing propaganda. Hatred does not always seem to be directed against one and the same group, but against everything that is perceived as non-German.

Is it forbidden to distribute these symbols?

Media lawyer Christian Solmecke draws attention to BuzzFeed News that the distribution of certain images and stickers is punishable when it comes to the  dissemination of marks of unconstitutional organizations  .

„Absolutely prohibited are clear symbols of National Socialism such as the swastika, the Nazi Party, the SS, the Waffen-SS or the SA. Even slogans like „Sieg Heil“ or „Heil Hitler“ or „Hitler salute“ are prohibited. Images by Adolf Hitler are punishable if they are depicted iconically, „writes Solmecke on request from Buzzfeed News.

However, not every sending of such symbols has to be automatically punishable. „Impoverished remain users who send the forbidden images in a private chat at Whatsapp to only one other person or a few persons known to them in closed WhatsApp groups, unless they assume that these people spread the symbol unchecked,“ writes Solmecke , „However, if the image is sent to a WhatsApp group with many members, depending on the size of the group, it may quickly become a criminal offense.“

In at least one case, the distribution of prohibited SS symbols or slogans on WhatsApp had legal consequences. In 2017, a 14-year-old was convicted, the  Süddeutsche Zeitung  reported on the case.

Eltern entdeckten Chats auf dem Handy ihres Sohnes, in denen sich die Teilnehmer über Juden lustig machten oder die SS verherrlichten. Die Eltern meldeten die Gruppen der Polizei, die Staatsanwaltschaft konnte später rund 180 Personen identifizieren.

Der 14-Jährige musste sich einem Jugendgericht stellen. Er wurde zum Lesen von 25 Stunden historischer Literatur über die NS-Zeit verurteilt, außerdem bekam er für fünf Jahre einen Eintrag ins Erziehungsregister.

„Stüüüüüüürrmeen!!!“

In einigen Fällen richtet sich der Hass der Gruppenmitglieder gezielt gegen Einzelpersonen. BuzzFeed News hat in den vergangenen Monaten fast 30 Fälle dokumentiert, in denen Telefonnummern in den WhatsApp-Gruppen verbreitet wurden. Die Personen hinter diesen Nummern sollten belästigt und bedroht werden.

„Wenn ihr gegen asoziale Kanacken seid. Macht ihn fertig und schickt den Chatverlauf anhand eines Screenshots rein“, schreibt ein Mann zu einer Handynummer, die die Bezeichnung „Deutschlandhassender drecks Flüchtling“ trägt. Dazu schickt er zwei Bilder eines Mannes, der sich angeblich hinter der Nummer verbergen soll. „So sieht der Lappen aus😂😂😂😂“.

„Das Kanackenschwein“, „Pedophiler“, „Islam Hurensohn“, „Antifa Fotze“ heißen andere geteilte Kontakte, die attackiert werden sollten. BuzzFeed News kontaktierte alle in dieser Art in den Gruppen geteilten Handynummern, konnte aber nicht verifizieren, wie viele der fast 30 Personen tatsächlich Angriffe erlebt haben oder wie heftig die Angriffe ausgefallen sind.

Ein Teenager sprach mit BuzzFeed über seine Erfahrungen, die zeigen, wie schnell er zur Zielscheibe einer solchen WhatsApp-Gruppe wurde. Im Telefonat mit BuzzFeed News erzählt der Teenager, dass er Mitglied in rund einem Dutzend WhatsApp-Gruppen ist, die er selbst als unpolitisch beschreibt. Es sei normal in seinem Alter, in diversen WhatsApp-Gruppen zu sein und sich mit Fremden über „dies und das“ auszutauschen.

In einer der WhatsApp-Gruppen verbreitete plötzlich ein Mann rechte Parolen und hetzte gegen Ausländer, erzählt der Teenager. Er habe dagegen gehalten und gesagt, dass rechte Hetze nicht erwünscht sei.

Plötzlich erreichten dutzende Nachrichten von Unbekannten sein Handy. „Geh nach Auschwitz, lass dich vergasen“, „Ey du linker Hurensohn, geh dich vergraben“ und ähnliche Nachrichten fluteten sein Handy für den Rest des Tages, sagt der Teenager.

BuzzFeed News konnte verifizieren, dass die Nummer des 14-Jährigen an diesem Tag in gleich drei WhatsApp-Chats gepostet wurde. „Ihr könnt ihn anschreiben. Verteidigt Islam und ist seiner Stimme nach zu urteilen erst 14 Jahre alt und bezeichnet sich selbst als Punk 🤦🏻‍♂“, heißt es in einem der Chats. „Stüüüüüüürrmeen“, antwortet ein Anderer.

Insgesamt blockiert der Teenager an diesem Tag zwölf Nummern, von denen aus er bedroht wurde.

„Wenn ein Nutzer einen Sticker mit illegalen Inhalten erhält, bitten wir ihn, ihn WhatsApp zu melden“

Im Oktober des vergangenen Jahres führte WhatsApp die sogenannte Sticker-Funktion in Deutschland ein. Nutzer können auch eigene Sticker erstellen. Schon kurz nach Einführung stand WhatsApp in der Kritik. Das Jüdische Forum hatte auf Nazi-Sticker aufmerksam gemacht. „Kaum ermöglicht WhatsApp Sticker zu erstellen und zu nutzen, fluten Rechtsextreme ihre Gruppenchats mit volksverhetzender NS-Symbolik“, schrieb der Verein und fragte die Plattform, wie das in Zukunft verhindert werden könnte.

„Diese antisemitischen Sticker sind inakzeptabel und wir wollen sie nicht auf WhatsApp. Wir verurteilen diesen Hass auf das Schärfste. Wenn ein Nutzer einen Sticker mit illegalen Inhalten erhält, bitten wir ihn, ihn WhatsApp zu melden“, schrieb ein WhatsApp-Sprecher in einer E-Mail an BuzzFeed News im November 2018.

BuzzFeed News hat ein halbes Jahr später bei WhatsApp nachgefragt, wie viele Hinweise auf möglicherweise illegale Inhalte sie seitdem aus Deutschland bekommen haben. WhatsApp hat auf die konkreten Fragen trotz mehrfacher Nachfrage nicht geantwortet und stattdessen lediglich Hintergrundgespräche angeboten.

Weiter schrieb ein WhatsApp-Sprecher in einer E-Mail an BuzzFeed News: „Als Messaging-Dienst haben wir keinen Zugriff auf die privaten Mitteilungen, die von den Benutzern geteilt werden. Wir ermutigen die Leute Probleme an WhatsApp zu melden, um die Sicherheit unserer Plattform zu gewährleisten.“

Die Gefahr der Radikalisierung durch Gewöhnung

Solche verbotenen Symbole werden unter jungen Menschen als bewusste Grenzverletzung oder Provokation verbreitet, sagt Rechtsextremismus-Experte David Begrich von der Arbeitsstelle Rechtsextremismus des Magdeburger Vereins „Miteinander“.

Für Begrich ist die zentrale Frage, wo die Grenze zur Übernahme extremer Positionen überschritten wird. „Verschicke ich das Bild von Adolf Hitler nur, um zu zeigen ‘hey, ich traue mich das’? Und wo ist die Grenze überschritten, dass ich mich mit den dargestellten Inhalten wirklich identifiziere und vielleicht sage: ‘Ich würde auch gerne mal Juden erschießen’?“

„Ich sehe die Gefahr darin, dass Leute sich mit solchen Inhalten, die sie sich ständig hin und herschicken, irgendwann auch identifizieren“, sagt Begrich. Durch solche Chats könne es durchaus zu einer Radikalisierung kommen. „Das haben wir bei allen zurückliegenden rechtsterroristischen Attentaten gesehen, dass die Täter sich zuvor intensiv im Internet vernetzt haben und auch radikalisiert haben.“

Miro Dittrich beobachtet, dass Rechte solche Chats ganz gezielt nutzen, um junge Menschen zu radikalisieren. Dittrich leitet das Projekt „de:hate“ der Amadeu Antonio Stiftung und beobachtet rechtspopulistische Phänomene im Internet. „Durch eine ständige Begegnung mit rassistischen, antisemitischen und sexistischen Witzen, findet eine Gewöhnung an – nicht nur scherzhaft gemeinte – Menschenfeindlichkeit statt“, schreibt Dittrich auf Anfrage von BuzzFeed News. „Die Rolle von Humor und einer post-irony Meme Culture zeigte sich auch im sogenannten Manifest des Massenmörders von Christchurch sehr deutlich.“

Warum Rechte auf Dark Social ausweichen

Miro Dittrich von der Amadeu Antonio Stiftung beobachtet auch, dass Rechte vermehrt auf Messenger wie WhatsApp oder Telegram ausweichen – also ins „Dark Social“, öffentlich nicht einsehbare Netzwerke. Plattformen wie Facebook würden sie dagegen weniger nutzen. Messenger bieten Dittrich zufolge viele Vorteile: „Nicht von der Öffentlichkeit beobachtet, können sie sich hier viel freier ausleben. Hate Speech und Volksverhetzung werden nicht nur seltener gemeldet, sondern es folgen auch selten Konsequenzen der Betreiber.“

Über private Messenger hätten die Akteure einen ungefilterten Kontakt, schreibt Dittrich. „So müssen die Nachrichten in einem Feed nicht ‘erscrollt’ werden, sondern landen per Benachrichtigung aufs Handy. Dies trug auch zu der schnellen Mobilisierung in Chemnitz 2018 bei.“

Eine Kontrolle der Inhalte durch WhatsApp findet Rechtsextremismus-Experte Begrich schwierig. „Man muss sich beim Ruf nach Kontrolle natürlich auch fragen, ob man das möchte, dass WhatsApp auf die Inhalte von Chats tatsächlich zugreift, die ansonsten privaten Charakter haben.“

Stattdessen sei die Kontrolle eigentlich die Hauptaufgabe der Gruppen-Administratoren, sagt Begrich. Sie müssten ein Bewusstsein dafür schaffen, dass solche Inhalte nicht harmlos, sondern rechtsextrem sind. Doch wie soll das funktionieren, wenn die Gruppenadministratoren selbst rechtsextreme Inhalte verbreiten?

„Ich bin schon rechts, aber zeige das nicht öffentlich.“

BuzzFeed News has recently contacted the most active players in WhatsApp’s right-wing groups. A Thuringian man agreed to talk to Buzzfeed News over the phone – he did not name his name.

The man from Thuringia says that he is in his early 20s and has been active in the right-wing scene for years. He saw an invitation link to a WhatsApp group on Facebook. From the one group he quickly got into further groups through further invitation links. The invitation text promised that people would meet there who „also do not want foreigners“.

In the chats BuzzFeed News finds several passages in which he has sent dozens of WhatsApp stickers with swastikas and also „Heil Hitler“ slogans. „Since I was totally full, I wrote that in the drunk,“ replies the man. For him, the group was a place for like-minded people and he was there out of boredom. „I’m already on the right, but do not show it otherwise in public.“

Source: buzzfeed

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