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Antisemitischer Text im Stadtjournal sorgt in Borna für Aufregung

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Source: lvz

Borna – Sechs Bornaer Stadträte haben die Einberufung einer Sondersitzung des Stadtrates beantragt. Grund dafür ist ein Artikel im Bornaer Stadtjournal (BSJ), in dem ein freier Mitarbeiter „menschenverachtendes Gedankengut“ verbreitet, wie es in der Antragsbegründung heißt. Gemeint ist ein Text von Gert Bundesmann, in dem unter dem Aufhänger, Bornaer Straßennamen und konkret die Benennung der Kantstraße zu erklären, gängige Stereotype zur Erklärung des Antisemitismus verwendet werden.

In dem besagten Text beschäftigt sich der Autor mit den Juden. Die seien für viele Menschen der „Inbegriff von Gier und Wucher, also genau jener Übel, die wohl allgemein am (ungezügelten) Kapitalismus verabscheut werden“. Die Wurzel des Übels liege wohl auch „in ihrem religiösen Selbstverständnis“. Denn, so heißt es weiter: „Die Juden betrachteten sich als auserwähltes Volk Gottes.“ Der Autor spricht von einer „arroganten Einstellung“ der Juden, die „zu Ablehnung und Hass geführt habe – nicht nur in Deutschland“. Und er kommt zu dem Schluss, dass „die Juden als Vertreter des Judentums weder allein (d.h. selbst) schuld an ihrem Unglück“ seien, „noch sind sie völlig unschuldig daran“.

Der Text ist mittlerweile auf den Seiten des BSJ im Internet nicht mehr abrufbar. Zwar räumen die Antragsteller ein, dass er nicht in Verantwortung der Stadtverwaltung erschienen ist, halten aber eine Distanzierung der Stadt für „zwingend geboten, da auf der Titelseite das Stadtwappen“ zu sehen ist und das Heft kostenlos in allen Bornaer Haushalten lande.

Bernd Schneider, Herausgeber und auch redaktioneller Leiter des BSJ, erklärt „nachdrücklich, dass sich das Bornaer Stadtjournal und ich mich persönlich von diesem Artikel distanzieren“. Keine der Aussagen von Bundesmann entspreche auch „nur ansatzweise dem Standpunkt des Verlags“.

Vielmehr habe der Autor, Mitglied des Bornaer Geschichtsvereins, eine Seite des BSJ ausgenutzt, „um in einem inhaltlich völlig substanzfreien Rundumschlag krude Stammtischparolen“ zu verbreiten. Schneider, seit mehr als einem Vierteljahrhundert Inhaber des Druckhauses Borna, betont, er habe „,mit sofortiger Wirkung die Zusammenarbeit mit Herrn Bundesmann“ beendet. Unter seiner Verantwortung werde „niemals wieder ein Artikel“ von Bundesmann im BSJ erscheinen. Bundesmann wollte sich auf LVZ-Anfrage nicht äußern.

Er habe „mit Entsetzen“ feststellen müssen, dass im „Bornaer Stadtjournal, das sich durch Verwendung des Wappens als offizielles Organ der Stadt Borna ausgibt,“ ein Bericht enthalten sei, „der nur als Antisemitismus in Reinform beschrieben werden kann“. Weil „ein Großteil des Geschriebenen in Ihren Verantwortungsbereich fällt“, müsse der Leser davon ausgehen, dass auch die weiteren Artikel nicht im Widerspruch zur Auffassung der Stadtverwaltung stehen“.

Oberbürgermeisterin Luedtke erklärt, für die Einberufung einer Sondersitzung des Stadtrates gebe es keinen handfesten Grund. Es müsse einen konkreten Beschlussantrag geben. Sollten die Antragsteller im Hinterkopf haben, die Zusammenarbeit von Stadtverwaltung und Druckhaus Borna zu beenden, sei das nicht möglich. Es gebe Verträge und entsprechende Fristen, an die die Stadt gebunden sei. Zugleich betonte sie, dass sie ganz persönlich, aber auch ihre Stadt jeder Form von Antisemitismus, Leugnung der Shoa oder einer Verunglimpfung des jüdischen Glaubens konsequent entgegen trete.