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Muslimischer Antisemitismus im deutschen Internet

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Source: Arutz Sheva

Die Behörden haben versucht statistische Daten und weitere Informationen zu antisemitischen Einstellungen bei muslimischen Immigranten und ihren Nachkommen aus dem Rampenlicht zu halten.

Manfred Gerstenfeld

Der Verfassungsschutz des Bundeslands Hessen hat einen Bericht zu Antisemitismus im deutschen Internet veröffentlicht, der von Ann-Christin Wegener geschrieben wurde.[1] Die Studie konzentriert sich auf die Erscheinungsformen und den ideologischen Hintergrund antisemitischer Agitation in sozialen Netzwerken in Deutschland.

Wegener schrieb, dass die deutschen Behörden in der Regel angeben, dass 90% der antisemitischen Vorfälle von Rechtsextremen begangen werden. Sie weist darauf hin, dass dies das Ergebnis der Art ist, wie Polizei antisemitische Vorfälle berichtet.[2] Solange nichts über die Motivation oder die Täter bekannt ist, werden diese Vorfälle als politisch rechtsradikal motiviert bezeichnet.

In arabischer oder türkischer Sprache begangene Hassverbrechen führen zu weniger Anzeigen als die auf Deutsch.[3] Man muss zudem die Tatsache berücksichtigen, dass viele antisemitische Vorfälle nicht berichtet werden oder nicht zu Anzeigen führen. Es wird geschätzt, dass weniger als ein Viertel der jüdischen Opfer von Antisemitismus Anzeige bei der Polizei oder der jüdischen Gemeinde stellen.[4]

Die Autorin merkt an, dass antisemitischen Verbrechen und Einstellungen von Muslimen in Deutschland sehr wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Sie verweist auf einige Vorfälle, die jedoch viel öffentliche Aufmerksamkeit erhielten. Einen der extremsten gab es 2012, als ein Rabbiner in Berlin massiv verprügelt wurde. Zwei Jahre später brüllten in mehreren deutschen Städten antiisraelische Demonstranten „Hamas, Hamas, Juden ins Gas“. Ein weiterer Vorfall, der viel Aufmerksamkeit erregte,
ereignete sich im Frühjahr 2017, als ein jüdischer Junge seine Berliner Schule verließ, nachdem er von muslimischen Schülern heftig schikaniert wurde. Wegener schreibt: „All das sagt wenig über den quantitativen Vergleich von Antisemitismus bei Muslimen und bei Rechten.“[5]

Muslimischer Antisemitismus in Europa ist enorm wenig erforscht. Viele Behörden haben versucht statistische Daten und weitere Informationen zu antisemitischen Einstellungen bei muslimischen Immigranten und ihren Nachkommen aus dem Rampenlicht herauszuhalten. Das ist trotz der Tatsache geschehen, dass alle gelösten Morde an Juden in Westeuropa im vergangenen Jahrzehnt von Muslimen begangen wurden. Dasselbe gilt weitgehend für andere extrem antisemitische Vorfälle. Zu diesen gehören Anschläge auf Synagogen in Frankreich.

Ein klassisches Beispiel unter vielen, bei dem solche Informationen verborgen wurden, ereignete sich 2003. Das Zentrum für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin (ZfA) schloss seine Studie zu europäischem Antisemitismus ab. Es hatte den Auftrag erhalten diesen Bericht des Europäischen Beobachtungszentrums zu Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (EUMC) vorzubereiten. (Diese Organisation wurde 2007 durch die Agentur für Grundrechte der Europäischen Union, FRA, ersetzt.)

Das ZfA identifizierte junge Muslime arabischer Herkunft als die Haupttäter physischer Anschläge auf Juden und bei der Schändung und Zerstörung von Synagogen. Die EUMC veröffentlichte die Studie nicht. Das ZfA erklärte, der Grund dafür, das Dokument nicht zu veröffentlichen, bestand darin, dass es viele muslimische Täter antisemitischer Vorfälle preisgibt. Erwähnt wurde auch, dass das EUMC wiederholt dazu aufgefordert hatte die Ergebnisse zu verändern. Ende 2003 veröffentlichte der World Jewish Congress den Entwurf des Berichts des ZfA im Internet, womit die Manipulation des EUMC offengelegt wurde.[6]

Vor diesem Hintergrund und verschiedenen weiteren Manipulationen der Wahrheit ist Wegeners Studie besonders wichtig. Die Autorin untersucht Antisemitismus im deutschen Internet. Sie wählte einige Primärquellen aus. Dazu gehörten die Facebook-Konten der größten deutschen Tageszeitung, BILD sowie das des Focus, einer der drei führenden Wochenzeitschriften. Sie recherchierte zudem in YouTube-Kanälen, die ein größeres Publikum als Twitter haben.

Wegener kam zu dem Schluss, was Israel und den Konflikt im Nahen Osten betrifft, die Internetseite von Spiegel TV[7] das wichtigste Ventil antisemitischer Inhalte war. Sie stellte fest, dass Israel und der Nahost-Konflikt auf diesen Internetseiten unvergleichlich weiter verbreitet war, als das Thema deutsche Juden.

Wegener nutzte in ihrer Recherche eine Reihe Schlüsselwörter: Juden, Judentum, jüdisch, Israel und Antisemitismus.[8] Ihre detaillierte Studie, die nur auf Deutsch verfügbar ist, kommt zu einer Reihe wichtiger Schlüsse. Von Kommentaren über Juden oder das Judentum gab es seitens derer mit muslimischer Herkunft und von Rechtsextremen etwa die gleiche Anzahl.[9] Wegener stellte zudem fest, dass öffentlicher Diskurs zum Judentum als auch zu Israel in den deutschen sozialen Medien eine beträchtliche Menge Antisemitismus enthält.[10]

Wegener kam zu dem Schluss, dass antisemitische Kommentare seit 2014 zahlenmäßig enorm zugenommen haben. Sie beobachtete, dass der Gaza-Konflikt und die folgenden antiisraelischen Demonstrationen den Boden dafür bereiteten.

Zu Israel und dem Nahost-Konflikt wird etwa die Hälfte der antisemitischen Kommentare von Menschen mit muslimischem Hintergrund abgegeben. Nur 10% kamen von Rechten. In 40% der Fälle konnte die Herkunft nicht festgestellt werden. Von 2010 bis 2013 kamen allerdings 37% der antisemitischen Kommentare von Rechten, 16% wurden von Menschen mit muslimischem Hintergrund getätigt.[11]Wegener schließt, dass Hass auf Israel in der deutschen muslimischen Gemeinschaft zunimmt.

Was Antisemitismus und den Holocaust betrifft, waren bei denen, die Schuld am Holocaust und die Notwendigkeit des Gedenkens verneinten, die Rechten in der Mehrheit, während Muslime das weit weniger machten.

Es gibt eine Überlegung, die den Leser zu einem etwas anderen Schluss führen muss. Es wurden keine Seiten in arabischer oder türkischer Sprache untersucht. Auf diesen stammen praktisch alle antisemitischen Äußerungen von Muslimen. Damit übersteigt der muslimische Antisemitismus im deutschen Internet den der Rechtsextremen.

Wegeners Hauptschlussfolgerung lautet, dass Gesellschaft, Politiker und Geheimdienste auch den Antisemitismus von Muslimen beobachten müssen, ohne den Antisemitismus der Rechten zu vernachlässigen. Eine solche Feststellung ist bei beträchtlichen Teilen des deutschen Mainstream unpopulär – und noch viel mehr bei der Linken im Land.

[1]https://lfv.hessen.de/sites/lfv.hessen.de/files/content-downloads/PAAF-Analysen%20IN%20ALLER%20K%C3%9CRZE%20Ausgabe%20%201.pdf

[2] ebenda.

[3] ebenda.

[4] ebenda, Fußnote 7.

[5] ebenda, Fußnote 2.

[6] http://www.israelnationalnews.com/Articles/Article.aspx/15697

[7]https://lfv.hessen.de/sites/lfv.hessen.de/files/content-downloads/PAAF-Analysen%20IN%20ALLER%20K%C3%9CRZE%20Ausgabe%20%201.pdf,
S. 7.

[8] ebenda, S. 8.

[9] ebenda, S. 17

[10] ebenda, S. 20.

[11] ebenda, S. 20.