Deutschland / 14-04-2017

Geldstrafe nach Flaschenwurf auf die Synagoge

source: Lausitzer Rundschau


Die Cottbuserin Jessica M. ist am Mittwoch vor dem Amtsgericht wegen gemeinschaftlicher Sachbeschädigung schuldig gesprochen worden.

 

Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass sie in der Nacht vom 17. zum 18. November 2015 eine Bierflasche in die Fenster der Synagoge in der Cottbuser City geworfen hat. Dabei gingen Scheiben zu Bruch.

 

Die 21-Jährige ist zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen (zu je zehn Euro) und zur Zahlung der Kosten der Reparatur an der Synagoge sowie des Verfahrens verurteilt worden. Damit folgte Richter Georg Kapplinghaus im Wesentlichen dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Es sei die Gesamtschau auf Spuren und Indizien, betonte der Richter, die zu der festen Überzeugung geführt hätten, dass Jessica M. die Flaschenwerferin ist – auch wenn die Anklage dies nicht vollumfänglich nachweisen konnte. Verteidiger Christian Nordhausen hatte deshalb auf Freispruch plädiert.

 

"Wenn Sie getrunken haben, machen Sie Blödsinn", fasste Richter Kapplinghaus in der Urteilsbegründung zusammen, was den bisherigen Lebensweg von Jessica M. begleitete: Die Ausnüchterungszelle der Polizei ist ihr gut bekannt. Mehrfach war sie seit 2011 wegen unterschiedlicher Delikte im Visier der Ermittler. So hatte sie – unter Alkoholeinfluss – mit einem Bekannten vom alten Fabrikgebäude in der Briesmann-/Ecke Ostrower Straße Dachsteine heruntergeworfen, wobei ein Auto getroffen und eine Person verletzt worden waren.

 

Der Flaschenwurf auf die Synagoge lässt nach Einschätzung von Staatsanwalt Ruprecht Pfeffer Parallelen erkennen. Mit einer Bekannten sei sie – mit 1,79 Promille Alkohol im Blut – in der Tatnacht am Schlosskirchplatz aufgegriffen worden. An der Bierflasche wurde ihre DNA (mit anderen Spuren) nachgewiesen. Offenbar sei nach dem Flaschenwurf versucht worden, das Geschoss mit einer Holzlatte wieder aus der Synagoge zu bekommen. An der Kleidung der Verurteilten waren durch das LKA mit der Scheibe identische Glaspartikel nachgewiesen worden.

 

"So viele Zufälle kann es nicht geben", folgte Kapplinghaus der Staatsanwaltschaft. Den Einwurf der Verteidigung, dass es keine schlüssigen Beweise gebe, entgegnete der Richter, dass die sich auch nur auf Vermutungen stütze. Anwalt Nordhausen kündigte an, eine Berufung zu prüfen.