Deutschland / 26-03-2017

Studie: etwa ein Viertel der Deutschen bezeichnen sich als bekennende Antisemiten

source: ynet


„Etwa 20% bis 25% der deutschen Bevölkerung bringen Antisemitismus zum Ausdruck, wenn es um Kritik gegen Israel geht“: Professor Andreas Zick aus Deutschland bearbeitet schon seit 14 Jahren Untersuchungen zum Thema Fremdenfeindlichkeit. Seine neuesten Forschungsergebnisse - acht Jahrzehnte nach dem Aufstieg des NS-Regimes - sind sehr besorgniserregend.

 

„Es gibt einen Anstieg an Antisemitismus, vor allem in der Bewegung der populistischen Rechten,“ sagte er in einem Interview mit dem Ynet Studio. „Aber wir sehen auch Unterschiede zwischen dem traditionellen Antisemitismus, der recht niedrig ist, und dem modernen Antisemitismus, vor allem, was die Kritik an Israel anbelangt, wo es einen großen Anstieg gibt.“

 

Laut Professor Andreas „ist Antisemitismus mit anderen Mustern der Feindseligkeit verbunden. Wir nennen es Feindseligkeit, die auf Gruppen basiert, und mit der Ablehnung der Einwanderer verbunden ist. In Deutschland ist Antisemitismus auch mit anti-islamischen Gefühlen verbunden. Dies könnte erklären, warum es viele Hassverbrechen in Deutschland gibt. Zum Beispiel wurden im Jahr 2016 in Berlin 500 Angriffe gegen Juden dokumentiert. Es kann damit erklärt werden, dass Juden nicht als integralen Bestandteil der Gesellschaft, sondern als Fremde betrachtet werden.“

 

Basierend auf der Studie, würden Sie sagen, dass die Juden in Deutschland jetzt in Gefahr sind?

„Ja, in konkreter Gefahr, und sie kommt aus sehr unterschiedlichen Seiten. Es gibt Antisemitismus in der zentralen Bevölkerung, es gibt, wie bereits erwähnt, modernen Antisemitismus, der in Form von Antiisraelismus zum Ausdruck kommt, und es gibt auch viel muslimischen Antisemitismus seitens radikaler muslimischer Gemeinschaften“.

 

Professor Andreas bemerkt, dass „es in Deutschland mehrere Anschläge auf die deutsche Bevölkerung seitens der Dschihadisten gegeben hat, und ihre Ideologie ist ziemlich antisemitisch. Daher gibt es auch eine Gefahr für die jüdische Gemeinde in Deutschland, wie das aus Studien, die zur Risikowahrnehmung durchgeführt wurden, hervorgeht. Das grenzt das normale soziale Leben ein.“

 

Professor Andreas legte die Studie dem israelischen Parlament (Knesset) vor, im Rahmen seiner Teilnahme an der internationalen Konferenz „Hassindustrie“, die letzte Woche im „Massuah“ Institut für Holocaust-Studien in Tel Yitzhak stattgefunden hat. "Der Antisemitismus," sagt er, "ist nicht am verschwinden, manchmal täuscht man sich, wenn man fälschlicherweise annimmt, dass die europäische Rechte pro-israelisch geworden sei, wegen ihres Hasses gegen die Muslime. Es begrenzt nicht den Antisemitismus gegen die Juden im Land, so dass das Bild komplex ist.“