Polen / 24-01-2017

Der Antisemitismus in Polen schießt in die Höhe und wird mit einem Anstieg der Islamophobie assoziiert

source: forward


Der Antisemitismus ist in Polen auf dem Vormarsch, einem Land, in dem fast keine Juden leben.

 

Eine neue Studie des Zentrums für das Studium von Vorurteilen an der Universität Warschau zeigt, dass es seit 2014 eine deutliche Steigerung an negativer Einstellung gegenüber den Juden gegeben hat. Die Studie, die sich mit den Jahren 2014 bis 2016 befasst, zeigt, dass antisemitische Hassreden immer mehr akzeptabel sind und immer größere Popularität im Internet und im polnischen Fernsehen genießen.

 

Die Studie nennt Beispiele für antisemitische Äußerungen, die in den verschiedenen Medien zu finden sind und die Forscher fragten die Befragten, ob sie glauben, dass diese Erklärungen beleidigend seien. In allen Fällen wurde festgestellt, dass die Äußerungen im Jahr 2016 als weniger beleidigend betrachtet wurden als im Jahr 2014. Der Unterschied war bei den jungen Leuten am auffälligsten.

 

Zum Beispiel waren Äußerungen, die Juden als abstoßende Menschen bezeichnen im Jahr 2016 in den Augen von 43 Prozent der jungen Leute offensiv, im Vergleich zu 66 Prozent im Jahr 2014. Die Äußerung wurde im Jahr 2016 von 69 Prozent der älteren Bevölkerung als beleidigend betrachtet im Vergleich zu 78 Prozent im Jahr 2014.

 

Die Studie bietet eine Erklärung und argumentiert, dass junge Polen es sich gewöhnt sind, antisemitische Kommentare online zu hören. In den letzten zwei Jahren ist der Anteil der jungen Menschen, die mit dem Internet verbunden sind, von 58 Prozent auf 74 Prozent gestiegen.

 

Die jüdische Gemeinde zählt etwa 10.000 Menschen und macht nur 0,1 Prozent der polnischen Bevölkerung aus, die 38.200.000 Einwohner zählt. Mehr als 80 Prozent der Polen sagen, dass sie noch nie einen Juden getroffen haben. Doch nach den Forschungsergebnissen sind immer mehr Polen nicht dazu bereit, Juden als Kollegen, Nachbarn oder Freunde ihrer Familie zu akzeptieren.

 

Mehr als die Hälfte der Polen - 55,98 Prozent - würden Juden nicht als Familienmitglieder akzeptieren, was einem Sprung von 45,53 Prozent gegenüber dem Jahr 2014 entspricht. Ein Drittel der Polen - 32,20 Prozent - sind nicht bereit, einen jüdischen Nachbarn zu akzeptieren, was ebenfalls einer Steigung gegenüber 26,70 Prozent im Jahr 2014 entspricht. 15,1 Prozent würden keinen jüdischen Mitarbeiter akzeptieren , im Vergleich zu 10 Prozent im Jahr 2014.

 

Die Forschung zeigt, dass es einen starken Anstieg an Islamophobie gibt, die durch eine Distanzierung der Leute von anderen ethnischen Gruppen, einschließlich der Juden, begleitet wird.

 

"Je mehr die Leute antimuslimisch sind, desto mehr sind sie auch antisemitisch," sagte Michal Shimelevich, Direktorin des Zentrums. "Sie beschreiben George Soros als Verkörperung der jüdischen Verschwörung, der dabei hilft, den Eintritt von Muslimen zu finanzieren, die eine Bedrohung für die christliche Zivilisation in Europa darstellen."

 

Der polnische Sejm (Parlament) wird den Bericht am 25. Januar erhalten.